Du willst dein Unternehmen gründen und brauchst ein Konto, auf dem das Stammkapital eingeht, die erste Kundenrechnung landet und die monatlichen Kosten abgehen? Dann stehst du vor einer Entscheidung, die viele Gründer unterschätzen. Ein Geschäftskonto ist kein reines Verwaltungswerkzeug. Es beeinflusst, wie schnell du Rechnungen schreiben kannst, wie dein Steuerberater die Buchhaltung macht, und was dich das alles am Ende des Monats kostet.
Die gute Nachricht: 2026 gibt es mehr Auswahl als je zuvor. Neobanken, Direktbanken, klassische Filialbanken. Für Gründer sind vor allem die Online-Anbieter interessant. Wenig Bürokratie, schnelle Kontoeröffnung, oft günstig oder sogar kostenlos.
Dieser Vergleich zeigt dir die besten Optionen, erklärt die relevanten Unterschiede und hilft dir, das passende Konto für deine Situation zu finden.
- Kostenlose Geschäftskonten gibt es bei Qonto, FYRST, Holvi, Kontist und Finom
- Für GmbH/UG empfiehlt sich Qonto (ab 9 €/Monat) oder FYRST (ab 6 €/Monat für Kapitalgesellschaften)
- Kontist eignet sich nur für Freiberufler und Einzelunternehmer, nicht für GmbH/UG
- Buchhaltungsintegration (DATEV, Lexoffice) ist ein entscheidender Faktor
- Gründungskonten für GmbH i.G. gibt es bei Qonto, Holvi, Vivid und Finom
- Bargeldabhebung und -einzahlung: nur FYRST hat breiten Filialzugang über Cash Group
Worauf du beim Geschäftskonto achten solltest
Bevor du einfach das erstbeste Konto nimmst, lohnt es sich, drei Fragen zu beantworten.
Welche Rechtsform hast du? Freiberufler und Einzelunternehmer haben die größte Auswahl. Wer eine GmbH oder UG gründet, scheidet bei einigen Anbietern von vornherein aus. Kontist zum Beispiel ist ausschließlich für Einzelunternehmer. Für GmbH/UG brauchst du Anbieter wie Qonto, FYRST, Holvi oder Finom.
Brauchst du ein Gründungskonto? Für die GmbH-Gründung musst du das Stammkapital auf ein Konto einzahlen, bevor du zum Notar gehst. Dafür gibt es spezielle Gründungskonten. Qonto, Holvi, Vivid und Finom bieten solche i.G.-Konten an.
Wie wichtig ist die Buchhaltungsintegration? Wenn du mit einem Steuerberater arbeitest, der DATEV nutzt, sollte dein Konto DATEV-kompatibel sein. Qonto, FYRST und Finom bieten das. Wer mit Lexoffice, Sevdesk oder ähnlichen Tools arbeitet, findet bei fast allen Anbietern eine Integration.
Die besten Geschäftskonten für Gründer 2026 im Überblick
Qonto – Der Allrounder für Startups und KMU
Qonto ist aktuell der meistgenannte Anbieter in deutschen Gründer-Vergleichen, und das nicht ohne Grund. Die französisch-deutsche Neobank bietet sieben verschiedene Tarife, von Freelancer-Paketen bis hin zu Enterprise-Lösungen für größere Teams.
Für Einzelunternehmer und Freiberufler startet Qonto bei 9 Euro pro Monat (Solo-Tarif, jährlich gezahlt). Das klingt erstmal nicht kostenlos, liefert dafür aber 30 inklusive SEPA-Überweisungen, eine Mastercard und direkten DATEV-Export. Wer monatlich zahlt, zahlt etwas mehr.
Für GmbH und UG ist das Essential-Paket ab 29 Euro/Monat interessant, das mehrere Team-Mitglieder, Buchhaltungsintegration und unbegrenzte physische Karten unterstützt. Wer eine GmbH neu gründet, bekommt bei Qonto außerdem ein Gründungspaket ab einmalig 169 Euro, mit dem er das Stammkapital einzahlen und die Kontoeröffnung beschleunigen kann.
Schwachpunkt: Bargeldeinzahlungen sind nicht möglich. Wer regelmäßig Bares einzahlen muss, ist bei Qonto falsch.
FYRST – Die Direktbank mit Filial-Backup
FYRST gehört zur Deutschen Bank Gruppe und verbindet das Beste aus zwei Welten: modernes Online-Banking und Zugang zu rund 7.000 Cash-Group-Automaten für kostenlose Bargeldabhebungen sowie Bargeldeinzahlungen an Postbank-Filialen.
Der FYRST BASE-Tarif ist für Freiberufler und Einzelunternehmer komplett kostenlos. Inklusive sind 50 Buchungen pro Monat, eine Debitkarte und ein Online-Banking-Portal. Für GmbH und UG kostet BASE 6 Euro netto pro Monat, was im Marktvergleich sehr günstig ist.
Ein besonderer Vorteil für Gründer: FYRST bietet ein Gründerkonto mit einem Jahr kostenloser Kontoführung. Wer also gerade erst anfängt, kann hier zwölf Monate lang gebührenfrei durchstarten.
Wo FYRST schwächelt: Die App ist nicht so modern wie die der Neobanken, und DATEV-Integration kostet 5 Euro extra pro Monat. Für Steuerberater-Kunden, die auf DATEV angewiesen sind, summiert sich das.
Holvi – Für Freiberufler mit Fokus auf Buchhaltung
Holvi ist eine finnische Neobank mit starkem Fokus auf integrierte Buchhaltungsfunktionen. Der kostenlose Flex-Tarif bietet ein IBAN, Debitkarte und grundlegende Funktionen. Wer mehr braucht, wechselt zum Lite- (9 Euro/Monat), Pro- (15 Euro/Monat) oder Business-Tarif (69 Euro/Monat).
Besonders nützlich: Holvi hat ein integriertes Rechnungstool. Du kannst direkt aus dem Konto heraus Rechnungen erstellen, versenden und den Zahlungseingang tracken. Für Freelancer, die ihren Admin-Aufwand minimieren wollen, ist das ein echter Vorteil.
Holvi akzeptiert auch GmbH i.G.-Konten für die Stammkapitaleinzahlung, was bei der GmbH-Gründung wichtig ist. Bargeld lässt sich bei Holvi weder einzahlen noch abheben, ohne Gebühren zu zahlen (2,0–2,5 % Abhebungsgebühr).
Kontist – Steuerhelfer für Selbstständige
Kontist ist etwas Besonderes. Die App schätzt in Echtzeit, wie viel Steuern du auf deine Einnahmen zurücklegen musst, und reserviert diesen Betrag automatisch auf einem separaten Unterkonto. Wer als Freelancer regelmäßig von Steuernachzahlungen überrascht wird, findet hier ein praktisches Werkzeug.
Das Basiskonto ist kostenlos. Der Start-Tarif kostet 11 Euro, der Plus-Tarif 25 Euro pro Monat und enthält KI-gestützte Buchhaltungsunterstützung.
Der wichtige Hinweis vorab: Kontist funktioniert nur für Einzelunternehmer und Freiberufler. GmbH, UG oder OHG sind ausgeschlossen. Wer eine Kapitalgesellschaft führt oder plant, muss sich woanders umschauen.
Finom – Der Newcomer mit starker Rechnungsstellung
Finom ist eine niederländische Neobank, die in Deutschland immer mehr Marktanteile gewinnt. Das kostenlose Solo-Konto ist für den Einstieg geeignet, hat aber eine wichtige Einschränkung: Das Überweisungsvolumen ist auf 2.500 Euro pro Monat begrenzt. Wer mehr umsetzt, muss auf den Start-Tarif (8,99 Euro/Monat) upgraden.
Was Finom besonders macht: integrierte Rechnungsstellung mit automatischem Abgleich und DATEV-Export in allen Tarifen, auch im kostenlosen. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber vielen Wettbewerbern.
Für GmbH-Gründer bietet Finom ebenfalls i.G.-Konten. Keine Bargeldeinzahlung, Abhebungen sind mit Gebühren verbunden.
Vivid Business – Für Zinsoptimisten
Vivid ist vor allem durch sein Privatkundenkonto bekannt, bietet aber auch ein Business-Produkt. Der kostenlose Tarif enthält nur 5 Überweisungen pro Monat, was für aktiv wirtschaftende Unternehmen kaum ausreicht.
Interessant wird Vivid durch die Zinsfunktion: In Aktionsphasen bietet Vivid bis zu 4 % p.a. auf Guthaben. Ob das langfristig stabil bleibt, ist eine andere Frage. Für Gründer, die größere Geldmengen kurzfristig parken wollen, kann das attraktiv sein.
Für GmbH i.G. gibt es ebenfalls ein Gründungskonto. Der Free-Tarif ist wegen der 5-Überweisungen-Grenze aber für den laufenden Betrieb ungeeignet.
Vergleichstabelle: Die besten Geschäftskonten 2026
| Anbieter | Mindestgebühr | GmbH/UG | Gründungskonto | DATEV | Bargeld | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Qonto | 9 €/Monat | Ja | Ja (ab 169 €) | Ja | Nein | Sehr skalierbar, 7 Tarife |
| FYRST | 0 € (Freiberufler) / 6 € (GmbH) | Ja | Ja (1 Jahr gratis) | +5 €/Monat | Ja (Cash Group) | Beste Bargeld-Lösung |
| Holvi | 0 € (Flex) | Ja (i.G.) | Ja | Ab Pro | Gebührenpflichtig | Integriertes Rechnungstool |
| Kontist | 0 € (Free) | Nein | Nein | Nein | Nein | Echtzeit-Steuerreservierung |
| Finom | 0 € (Solo, bis 2.500 €/Monat) | Ja (i.G.) | Ja | Ja (alle Tarife) | Nein | DATEV kostenlos inkl. |
| Vivid Business | 0 € (Free, nur 5 Überweisungen) | Ja (i.G.) | Ja | Nein | Nein | Bis 4 % Zinsen (Aktion) |
Welches Konto passt zu dir?
Du bist Freiberufler oder Einzelunternehmer
Du hast die größte Auswahl. Wenn du Steuern oft unterschätzt und lieber auf der sicheren Seite bist, schau dir Kontist an. Das kostenlose Konto mit automatischer Steuerreservierung ist für Selbstständige ohne Steuerpuffer eine echte Erleichterung.
Wenn dir Rechnungsstellung wichtig ist und du alles an einem Ort haben willst, ist Holvi (Flex kostenlos, Pro für 15 Euro/Monat) eine gute Wahl. Wer dagegen einfach ein solides Konto für wenig Geld will und gelegentlich Bargeld braucht, nimmt FYRST BASE kostenlos dazu.
Du gründest eine GmbH oder UG
Für Kapitalgesellschaften ist Qonto der stärkste Allrounder. Der Essential-Tarif (29 Euro/Monat) wächst mit dem Unternehmen mit, beinhaltet Teamfunktionen und bietet DATEV-Export. Das Gründungspaket für die i.G.-Phase macht die Kontoeröffnung schnell und unkompliziert.
Wer bei den monatlichen Kosten sparen will und manchmal Bargeld einzahlen muss, kommt mit FYRST (6 Euro/Monat für GmbH/UG) sehr gut weg. Der Filialzugang über die Cash Group und Postbank ist ein klarer Vorteil, den kein anderer Online-Anbieter im Markt bietet.
Für GmbH-Gründer, die noch kleines Transaktionsvolumen haben, ist auch Finom interessant: DATEV ist kostenlos dabei, das Gründungskonto verfügbar, und im ersten Jahr bleibt man gut im kostengünstigen Bereich.
Du brauchst regelmäßig Bargeld
Klare Empfehlung: FYRST. Kein anderer Anbieter in diesem Vergleich ermöglicht kostenlose Abhebungen an rund 7.000 Automaten und Einzahlungen über Postbank-Filialen. Für Gastronomen, Einzelhändler oder alle, die regelmäßig mit Bargeld arbeiten, ist das entscheidend.
Häufige Fehler bei der Kontowahl
- Zu wenig auf die Rechtsform achten: Wer eine GmbH plant und sich bei Kontist anmeldet, wird nach der Gründung das Konto wieder wechseln müssen. Das kostet Zeit und Nerven.
- Nur auf „kostenlos“ schauen: Viele „kostenlose“ Konten verstecken Kosten in Transaktionsgebühren, Kartengebühren oder teuren Add-ons wie DATEV. Rechne den echten Monatspreis durch.
- Keine DATEV-Kompatibilität prüfen: Wenn dein Steuerberater DATEV nutzt, musst du ein Konto mit DATEV-Export haben. Frag das vorher ab.
- Gründungskonto vergessen: Für die GmbH-Gründung brauchst du vor dem Notartermin ein Konto für die Stammkapitaleinzahlung. Nicht alle Anbieter bieten das.
Fazit: Das richtige Geschäftskonto für deinen Start
Für die meisten Gründer lässt sich die Entscheidung schnell eingrenzen. Freiberufler und Einzelunternehmer, die ihren Steuer-Überblick verbessern wollen, starten mit Kontist. Wer Wert auf integrierte Buchhaltung legt, nimmt Holvi. Wer einfach und günstig durchstarten will und manchmal Bargeld braucht, wählt FYRST.
GmbH- und UG-Gründer sind bei Qonto am besten aufgehoben, wenn Skalierbarkeit und Teamfunktionen wichtig werden. Wer am Anfang Kosten sparen möchte und schon DATEV braucht, sollte Finom ernsthaft in Betracht ziehen.
Das Wichtigste: Triff die Entscheidung bewusst und auf Basis deiner konkreten Situation. Ein Kontowechsel ist möglich, kostet aber Zeit. Mit der richtigen Wahl von Anfang an sparst du dir das.
FAQ: Geschäftskonto für Gründer
Brauche ich als Freiberufler wirklich ein Geschäftskonto?
Rechtlich vorgeschrieben ist es nicht. Aber die Trennung von privaten und geschäftlichen Finanzen macht die Buchhaltung erheblich einfacher und schützt dich bei einer Betriebsprüfung. Für GmbH und UG ist ein eigenes Konto hingegen Pflicht.
Kann ich ein Geschäftskonto sofort nach der Gewerbeanmeldung eröffnen?
Bei den meisten Neobanken (Qonto, Holvi, Finom) geht das online in wenigen Minuten per Video-Ident. Du brauchst dazu den Gewerbeschein, Personalausweis und je nach Anbieter weitere Unterlagen. Bei traditionellen Banken dauert es oft länger.
Was kostet ein Geschäftskonto im Durchschnitt?
Einsteiger-Tarife gibt es kostenlos bis ca. 10 Euro pro Monat. Wer als GmbH mit Teamfunktionen und DATEV-Integration arbeiten will, plant realistisch 25–35 Euro pro Monat ein. Das ist gut investiertes Geld, wenn es die Buchhaltungskosten beim Steuerberater senkt.
Gibt es Unterschiede zwischen GmbH und Einzelunternehmen beim Konto?
Ja. Kapitalgesellschaften wie GmbH und UG werden von manchen Anbietern (Kontist, N26 Business) nicht akzeptiert. Außerdem brauchen GmbH-Gründer vor dem Notartermin ein Konto für die Stammkapitaleinzahlung. Das bieten nicht alle Anbieter an.
Wie sicher sind Neobank-Geschäftskonten?
Qonto, FYRST und Finom haben eine vollständige Banklizenz und unterliegen der europäischen Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Holvi und Kontist sind als E-Geld-Institute reguliert, Einlagen sind aber ebenfalls nach EU-Recht geschützt. In der Praxis gibt es keine relevanten Sicherheitsunterschiede zu klassischen Banken.
